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Youtuber zeigt Kindern, wie man mit Glücksspiel reich wird

Foto © Creative Commons, Pixabay/stevepb

Laut der aktuellen Onlinemeldung von Übermedien.de, zeigt ein Youtuber Kindern, wie man mit Glücksspiel reich wird.

Fragt man einen durchschnittlichen, zehnjährigen Jungen, was er am liebsten in seiner Freizeit macht, bekommt man derzeit vermutlich folgende Antwort: Fortnite“ spielen, das aktuell beliebteste Videospiel, auch auf der Streaming-Plattform Twitch.tv, wo Gamer live zocken und ihnen weltweit Millionen von Menschen zusehen. Der Streamer Ninja, der dank „Fortnite“ zum Star wurde, brach im April den Zuschauer-Rekord: Seinen Stream guckten gleichzeitig mehr als 667.000 Menschen – viele davon Kinder.

Auch Deutschland hat so einen Star. Er nennt sich MontanaBlack und ist zwar schon lange auf Twitch und auf YouTube unterwegs, aber auch er hatte seinen Durchbruch mit „Fortnite“. MontanaBlack hat aktuell 1,2 Millionen Follower – und 19.000 zahlende Abonnenten, die monatlich 4,99 Dollar ausgeben, um dafür unter anderem besondere Emojis in seinem Livechat freizuschalten. Absoluter Rekord in Deutschland.

Je nach Partnervertrag bei Twitch bedeutet das für MontanaBlack Einnahmen von bis zu 66.000 Dollar pro Monat – seinen Anteil an der Twitch- und YouTube-Werbung, Spenden, sein eigenes Merchandise und seine Sponsoring-Verträge mit Gamer-Marken wie Astro, Corsair oder Elgato noch gar nicht eingerechnet. Geld, das MontanaBlack, der bürgerlich Marcel Eris heißt, gerne im Online-Casino verzockt. Oder nicht verzockt. Denn nach eigenen Angaben hat er vorigen Monat mit Glücksspiel mehr als 80.000 Euro gewonnen. Eine Info, die er stolz über Social Media an seine Millionen Fans rausposaunt.

Denn so gut wie jeden Abend ab Mitternacht streamed MontanaBlack nun kein „Fortnite“ mehr, sondern Glücksspiel. Er macht Influencer-Marketing für die Plattform lapalingo.com – eine Seite, die in Deutschland verboten ist, denn das Betreiben von Online-Casinos ist in Deutschland generell nicht erlaubt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vor genau einem Jahr noch einmal bestätigt. Deswegen sitzt lapalingo.com auch auf Malta, und wie die „Süddeutsche Zeitung“ vor kurzem in Bezug auf diese Seite schreibt: „Die Kontrollen auf Malta sind lax.“

Trotzdem bewirbt MontanaBlack jeden Tag dieses Casino – und gewinnt in einem Monat so viel, dass ihm einige seiner Zuschauer vorwerfen, sein Account sei vom Anbieter manipuliert, um den Werbeeffekt zu erhöhen. Marcel Eris bestreitet das.

Wie problematisch die ganze Sache ist, darüber hat vorigen Samstag auch der funk-Kanal „offen un’ ehrlich“ berichtet. Der Vorwurf: All die Werbung, die MontanaBlack dort macht, sei nicht gekennzeichnet – und damit verbotene Schleichwerbung nach §7 Absatz 7 des Rundfunkstaatsvertrags. Seitdem kennzeichnet MontanaBlack seine Livestreams durchgängig als Werbung.

Was dabei nicht erwähnt wird: Eigentlich ist das Spielen unerlaubten Glücksspiels nach §285 StGB strafbar, und Marcel Eris liefert durch seine aufgezeichneten Livestreams auch noch die perfekte Beweislage. Allerdings ist dafür erst ein einziges Mal jemand in Deutschland verurteilt worden, 2014 in München. In zweiter Instanz wurde er allerdings freigesprochen.*

Zudem verstößt Eris möglicherweise auch gegen §5 des Glücksspielstaatsvertrags. Dort steht: „Werbung für unerlaubte Glücksspiele ist verboten.“ Dass die Werbung sich über Social Media auch an Minderjährige richtet und Eris dort nur seine hohen Gewinne postet, was vielleicht auch in die Irre führt, ist eher Nebensache. Genauso der Fakt, dass die Werbung nicht als solche erkennbar ist. Denn: Es dürfte sie ja eigentlich gar nicht geben.

In Deutschland ist die Bezirksregierung Düsseldorf die länderübergreifende Glücksspielaufsicht, die für Glückspiel-Werbung zuständig ist. Auf ihrer Website gibt es eine Liste, wer in Deutschland eine Werbeerlaubnis erteilt bekommen hat – lapalingo.com ist nicht darunter. Natürlich nicht. Weil es nicht geht.

Auf Anfrage teilt die Bezirksregierung mit, sie könne leider „derzeit keine näheren Auskünfte geben“, da die Prüfung des Sachverhalts „aufgrund der komplexen Rechtslage in diesem Bereich einige Zeit in Anspruch nehmen“ werde. Sie bestätigt aber noch mal, dass das Online-Casino lapalingo.com „unter das unerlaubte Glücksspiel fällt“.

Gleichzeitig ist die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein zuständig für die Aufsicht und Überprüfung des Streamingangebots von Marcel Eris. Sie erklärt auf Anfrage, dass ihr der Fall bekannt sei und sie voraussichtlich bald dagegen vorgehen werde.

MontanaBlack hätte mit einer einzigen Google-Suche herausfinden, wie die Rechtslage ist und was ihm droht. Und er müsste eigentlich wissen, welche Wirkung sein Casino-Stream auf die oft jungen Zuschauer haben kann. Aber er weist jegliche Verantwortung von sich. „Ich bin kein Vorbild“, sagt er im Interview mit dem funk-Kanal WorldWideWohnzimer, als er vor einem Monat, anlässlich seines letzten Shitstorms wegen Sexismusvorwürfen, mit seiner Verantwortung konfrontiert wird.

„Ich bin nicht dafür verantwortlich, ob jemand seinen Monatslohn oder whatever verzockt”, sagt er im Interview mit YouTuber HerrNewstime. Dass er in der Vergangenheit drogensüchtig war und sich als glücksspielsüchtig bezeichnet, scheint hier keine Rolle zu spielen. Und ob Minderjährige seine Inhalte gucken oder nicht, sei ein Problem der Eltern, so Marcel Eris, womit er teilweise Recht haben mag – doch wie sieht das eigentlich Twitch?

Die Plattform gehört seit 2014 zu Amazon, und während YouTube die Casino-Videos von MontanaBlack sehr schnell wegen des Verstoßes gegen die Community-Richtlinien sperren lässt, hat Twitch extra eine eigene „Casino“-Kategorie eingerichtet. Sie ist beliebt, befindet sich regelmäßig unter den Top 10 der meistgesehenen „Spiele“. Neben – gerade auch bei Kindern und Jugendlichen – beliebten Titeln wie „Fortnite“, „League of Legends“ oder „Hearthstone“ wird hier das Bild vermittelt: Im Casino Geld verzocken, ist auch nur ein ganz normales Videospiel.

Auf die Nachfrage, inwiefern Werbung für illegales Glücksspiel gegen die Richtlinien von Twitch verstößt und ob sie sich selbst bezüglich Jugendschutz und Aufklärung in Sachen Glücksspielsucht verantwortlich sehen, hat Twitch bisher nicht geantwortet. Blickt man jedoch in die Richtlinien der Plattform, steht da an erster Stelle, dass die User alle lokalen und nationalen Gesetze einhalten müssen, und dass alle Inhalte, die illegale Aktivitäten beinhalten oder bewerben, auf der Plattform verboten sind.

Doch MontanaBlack darf offenbar weiterspielen. Wieso? In der Vergangenheit sind Streamer auf der Plattform schon für viel weniger gesperrt worden. Und wie MontanaBlack soeben per Twitter verbreitet, hat ihm zumindest Fortnite wegen seines Glücksspiels einige Partner-Vorteile entzogen. Außerdem sagt er, sein „Partner beziehungsweise zukünftiger Partner Lapalingo“ habe „den Vertrag doch abgesagt“, was offenbar heißt, dass es bisher keinen Werbedeal mit dem Casino gab, obwohl sich Eris dazu auch schon anders geäußert und seine Streams ja doch, nach der Kritik, als Werbung gekennzeichnet hatte.

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