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BRD / Focus.de: „Staat verliert Kontrolle über das Glücksspiel“

Bild © Spieler-Info

Laut der aktuellen Onlinemeldung von focus.de, nimmt das Glücksspiel im Internet und in Café-Casinos in Deutschland rasant zu. Dem Staat entgeht viel Steuergeld. Nun wächst der Druck, den Grau- und Schwarzbereich auszutrocknen. Doch schon 20 Prozent des Marktes ist in den unregulierten Bereich abgewandert. Und der Polizei fehlt das nötige Personal.

„Open 24 Stunden“, wirbt ein rot blinkendes Schild am Eingang am Britzer Damm in Berlin. Ungewöhnlich für ein Café. Drinnen findet sich in Zimmer 1 das „Café Orient“. Vor Zimmer 2 weist ein Schild auf die „Britzer Milchbar“ hin. In Zimmer 3 ist das „Wiener Café“ – und so weiter. Sechs Cafés auf engstem Raum. Dabei sind alle Räume gleich, nur getrennt durch Glaswände. Immer bestückt mit einer Kaffeemaschine – und drei Glücksspielautomaten.

Wird das Geld primär mit dem Verkauf von Kaffee verdient, dürfen in einem Café drei Spielautomaten aufgestellt werden. Doch seit Mittwoch sind die Cafés dicht. Denn da fand in Berlin eine Großkontrolle statt. Dabei wurden die sechs Café-Casinos in Neukölln geschlossen, weil die Kontrolleure sie als zusammenhängende Spielhalle bewerteten, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Insgesamt kontrollierte die Polizei 33 Spielstätten, darunter 29 Café-Casinos, zwei Spielhallen und zwei Wettbüros – nur in einem Fall sei nichts zu beanstanden gewesen.

Branche macht 13,5 Milliarden Euro Ertrag

Beim Verband deutsche Automatenwirtschaft kommen die Razzien gut an, die Branche fordert schon länger ein härteres Vorgehen gegen das illegale Spiel.

Mit Sorge sehen wir den Wildwuchs von Café-Casinos und des Spiels in Hinterzimmern. Hier wird der Spieler- und Jugendschutz mit Füßen getreten,

sagt Vorstandssprecher Georg Stecker.

Rund 13,5 Milliarden Euro Ertrag macht die Glücksspielbranche in Deutschland pro Jahr derzeit, die ausgezahlten Gewinne sind davon bereits abgezogen. Ein gewaltiger Markt – mit gefährlichem Sucht- und Verschuldungspotenzial für die Zocker. Nach dem Jahresreport 2016 der Spielaufsichtsbehörden der Länder gelten 81 Prozent des Marktes als reguliert, 19 Prozent nicht.

Legale Betriebe haben hohe Kosten für Personal, Auflagen und zertifizierte Automaten

Und dieser Bereich wächst. Um 15 Prozent im Jahr, schätzt ein Branchenvertreter. Zum Beispiel Fußballwetten finden vor allem im Internet statt. Aber viele Anbieter kommen nur zum Zuge, weil es an EU-weiten Regeln fehlt. Und im Automatensektor blühen sogenannte Café-Casinos wie in Berlin-Neukölln. In der Hauptstadt gibt es nach Schätzungen der Branche neben 470 regulären Spielhallen etwa 2500 Café-Casinos.

Doch zahlen sie korrekt Steuern? Sind das nicht verkappte, unkontrollierte „Spielhöllen“? Die legalen Spielhallen brauchen geschultes Personal, haben strenge Auflagen und zertifizierte Spielautomaten. Das kostet Geld und schmälert Gewinne. Erklärtes Ziel der Politik war es, das Glücksspiel einzudämmen – die „klassische“ Branche fühlt sich gegängelt und macht mächtig Druck, dass der Staat gegen die Konkurrenz vorgeht.

Polizei fehlt Personal für ausreichende Kontrollen

Der Vorwurf: Es gibt ein Vollzugsproblem beim Vorgehen gegen illegale Einrichtungen und Glücksspiel im Netz. In einer Stadt wie Berlin mit Terrorgefahren und anderen Dauerbelastungen für Polizei und Ordnungsbehörden fehlt Personal, um die Szene genauer zu durchleuchten. Der Sprecher des Verbandes der Automatenwirtschaft, Georg Stecker, sagt:

Mit großer Sorge sehen wir, dass die Illegalität am Markt enorm zunimmt.

Die Kommunen seien aufgrund von Steuerausfällen „die Verlierer dieser Marktentwicklung“.

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