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Niederlande treffen Vorbereitungen für das legale Online Glücksspiel

Illegales Online-Glücksspiel / Bild © Creative Commons, Pixabay/stevepb

Am Donnerstag veröffentlichte die niederländische Glücksspielkommission Kansspelautoriteit (KSA) eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse des Landes über die Vor- und Nachteile des Online Glücksspiels.

In der Woche zuvor hatten die Verantwortlichen zu diesem Zwecke einer Informationsveranstaltung im Trimbos Institute in Utrecht beigewohnt, deren Zielgruppe insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Spielsuchtprävention und -behandlung gewesen waren.

Selbstvergleich mit Belgien

Im Februar dieses Jahres stimmte das niederländische Parlament mehrheitlich für eine Liberalisierung des Online Glücksspielmarktes. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass internationale Online Glücksspielanbieter ab dem 1. Januar 2021 mit einer niederländischen Lizenz im Königreich operieren dürfen.

Seit dem parlamentarischen Beschluss laufen die Vorbereitungen der zuständigen Kansspelautoriteit auf Hochtouren. Wichtige Lehren zog die Glücksspielbehörde in der vergangenen Woche aus einer umfangreichen Informationsveranstaltung, deren Inhalte sie jetzt zusammenfassend auf ihrer Webseite [Seite auf Niederländisch] veröffentlichte.

Um ab dem Stichtag der Liberalisierung alles möglichst richtig zu machen, habe die Behörde besonders interessiert auf die Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Länder, insbesondere jene des Nachbarlandes Belgien, geblickt.

Der Hauptsprecher der Veranstaltung im Trimbos Institute sei der Projektleiter der Institutsabteilung Gaming, Glückspiel und Medienwissenschaften, Dr. A.J. (Tony) van Rooij, gewesen.

Dieser habe in Belgien intensive Forschung zum Thema Spielsuchtentwicklung betrieben und einige interessante Schlussfolgerungen vorgestellt. Grundlegend habe er erklärt, dass sowohl Glücksspieler als auch Spielsüchtige in allen Altersgruppen und sozialen Schichten zu finden seien.

Gerade im Online Glücksspiel gebe es jedoch heute gute Mittel und Wege, problematisches Spielverhalten ausfindig zu machen und unmittelbare Hilfsmechanismen bereitzustellen.

Auch bietee das Online Glücksspiel im Unterschied zum landbasierten Glücksspiel neue Präventionsmöglichkeiten. Dazu zählten beispielsweise der digitale Selbstausschluss oder frei zugängliche und leicht zu findende Informationen von Hilfsorganisationen.

Spielsucht verstehen und vorbeugen

Als besonders interessant schien die KSA auch die Erkenntnisse von Fred Steutel, dem Leiter der ersten niederländischen auf Spielsucht spezialisierten Klinik namens „Hervitas“, einzustufen.

Der Klinikleiter habe erklärt, was genau im Gehirn eines Spielsüchtigen ablaufe und welche Gedankengänge dabei üblich seien. Viele Spieler hätten demnach den Gedanken, dass der nächste große Gewinn, der alle Geldsorgen nichtig mache, nur eine Frage der Zeit sei.

In dem Zusammenhang habe er sich auf ein denkwürdiges Fallbeispiel berufen. Einem Spieler, der in seinem Leben 25.000 Euro Schulden angesammelt habe, sei es gelungen, mit einem glücklichen Klick im Online Casino 28.000 Euro zu gewinnen.

Diese habe er sich aufgrund der Auszahlungsrichtlinien jedoch nur in kleinen Raten auszahlen lassen können. Dazu habe er sich stets erneut einloggen müssen und sei dabei mit neuen Lockangeboten überflutet worden, die ihm zum weiteren Spielen verleitet hätten, statt seine Gewinne auszuzahlen.

Laut Spielsuchtexperten Steutel stehen die Online Casinos damit in großer Verantwortung, was für die künftige Lizenzvergabe der KSA von großem Interesse sein dürfte.

Steutel ging dabei auch auf potentielle Therapieansätze ein. Er halte in der Spielsuchtbehandlung vor allem die Gruppentherapie für sehr wichtig, da Spielsüchtige sich oft mit ihrem Problem allein fühlten und keinerlei Ähnlichkeiten mit anderen Süchten wie Alkohol und Drogen erkennen könnten oder wollten.

Auch Lootboxen ein Thema

Während der Veranstaltung sei auch thematisiert worden, welche konkreten Aspekte des Glücksspiels bei Menschen für potentiell suchtbringende Vorgänge im Gehirn sorgen können.

Zur Sprache kam dabei Jan Willem Huisman von Ijsfontein, Experte im Bereich Spielentwicklung und interaktivem spielerischen Lernen. In seinem Vortrag habe er erklärt, inwiefern visuelle Effekte und „digitaler Schnickschnack“ das menschliche Gehirn, dessen Aufnahmefähigkeit und Entscheidungsfähigkeit beeinflussen können.

Im Fall von Glücksspiel habe er die oft technisch aufwendigen Effekte genannt, die ein Spieler zu sehen bekomme, sobald er einen größeren Gewinn erziele. Die dadurch ausgelösten Reize seien so stark, dass man unterbewusst danach strebe, diese erneut zu erfahren.

Ähnlich relevant seien daher auch Lootboxen, die Huismann ebenfalls erwähnt habe. Der Experte habe erläutert, dass es in der gesamten Gaming-Branche aktuell eine große ethische Diskussion zum Thema gebe, da vor allem Minderjährige oft mit den Beuteboxen in Kontakt kämen.

Nach eigener Aussage sei sich die KSA der potentiellen Konflikte mit dem Glücksspielgesetz bereits bewusst. Ähnlich wie Belgien wolle man die betroffenen Spiele künftig besonders im Auge behalten.

So sehe das künftig geltende niederländische Glückspielgesetz vor, dass die Spielhersteller, welche in ihren Videospielen Lootboxen zum Verkauf anbieten, über eine Glücksspiellizenz verfügen werden müssen.

Insgesamt scheint die Informationsveranstaltung der Behörde wichtige zukunftsweisende Einblicke verschafft zu haben. Jetzt haben die Niederlande noch knapp 16 Monate Zeit, sich möglichst perfekt auf ihre Glücksspielzukunft vorzubereiten.

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