2011
02.03.

Nur noch vier Monate: Österreichs Glücksspielmarkt ab dem 2. Quartal 2011 im Umbruch!


02.03.2011 | Redaktion Spieler-Info

"Dieses Geld stinkt, Herr Kardinal", so titelte 1967 der Herausgeber und Chefredakteur Gustaf Adolf Jakob Neumann*) in seinem auflagenstarken Wochenblatt "Echo". Das "Echo" meinte damit die Beteiligung der "Kirchenbank" Schelhammer & Schattera (Wien) an der Casinos Austria AG.

Gustaf Adolf Jakob Neumann
Gustaf Adolf Jakob Neumann; Bild: Klosterneuburger Zeitung
Prof. Gustaf Adolf Neumann schrieb damit Geschichte in der österreichischen Glücksspielindustrie. Dr. Leo Wallner (aus dem Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Klaus) übernahm den Vorstand der neu gegründeten Casinos Austria AG. Als "Wächter" holte er sich neben einem Aufpasser aus dem BMF Gustaf Neumann in den jungen Aufsichtsrat. Das kongeniale Duo Leo Wallner und Gustaf Neumann schufen innerhalb weniger Jahrzehnte einen der weltweit größten, internationalen Glücksspielkonzerne. Basis dieses fulminanten Aufstiegs zum Global Player war die Monopolstellung der Casinos Austria AG und später auch deren Lotto-Toto-GesmbH in Österreich, umgesetzt durch das international denkende Manager-Talent Dr. Leo Wallner, unterstützt durch strategische Anregungen seines väterlichen Freundes Gustaf Adolf Neumann.
 

Mächtiges Netzwerk

Dr. Leo Wallner
Dr. Leo Wallner; Bild: Manfred Werner
Unter dem Schutzschirm der Republik konnte Dr. Leo Wallner DAS Netzwerk der wirtschaftlich und politisch Mächtigen in diesem Lande unter seinem Glücksspieldach vereinen: Von der Raiffeisen-Gruppe bis zum ORF, von allen wesentlichen Banken bis zur katholischen Kirche, ja sogar der österreichischen Nationalbank-Tochter "Münze Österreich AG". Letztere kam nach einem missglückten Privatisierungsversuch des „österreichischen Verkehrsbüros“ als CASAG-Anteilseigner ins Spiel. Der damals für Privatisierungen zuständige Minister Dr. Wolfgang Schüssel wollte dem ehemaligen Vorstand des Verkehrsbüros, Dr. Galler, das Verkehrsbüro mitsamt seinem wertvollen Drittelanteil an der CASAG um knapp 200 Mio. ATS „verkaufen“. Das rief Mitte der 90iger Jahren das wirtschaftspoltische Magazin ERFOLG, unter dem damaligen Herausgeber und Chefredakteur Prof. Gert Schmidt, auf den Plan, welches mit einer aufwühlenden Berichterstattung über die Verschleuderung von Staatsvermögen das Parlament dazu brachte, die Ausschreibung nochmals zu überprüfen und durch ein internationales Gutachten absichern zu lassen. Resultat: Das Verkehrsbüro brachte der Republik Österreich ca. eine Milliarde Schilling, der CASAG-Anteil (mit dem daran hängenden Lotto-Toto-GesmbH-Anteil) wurde herausgelöst und separat an die Tochter der österreichischen Nationalbank, der Münze Österreich AG, um ca. 400 Mio. Schilling verkauft. (Heute ist der Anteil der Münze AG knapp gleich viel wert, allerdings in EURO! Eine „schöne“ Wertsteigerung in einem guten Jahrzehnt!

Mit steuerlich als Betriebsausgabe anerkannten, hohen Finanzierungsleistungen für den österreichischen Sport wurde ein glamouröses Konstrukt nach typisch österreichischer "Netzwerk-Speisekarte" geschaffen. Natürlich fehlte dabei auch nicht das olympische Komitee. Jedwede Mitbewerber wurden von der Cash-Cow Lotterien und Vollcasinos ferngehalten. Jahrzehntelang - bis zur Jahrtausendwende - funktionierte dieses kunstvolle System ohne geringsten Reibungswiderstand.

Casinos Austria versus Novomatic

Dann trat Österreich der Europäischen Union bei. Und der zweite große österreichische Glücksspielkonzern, die Novomatic-Gruppe in Gumpoldskirchen, entwickelte sich trotz Aussperrung vom österreichischen Markt im rauen internationalen Wettbewerb zu einem der weltgrößten Anbieter integrierter Glücksspieltechnik und Casinobetreiber mit weltweit nun mehr als tausend eigenen Casinobetrieben.

Plötzlich standen sich - für jeden wirtschaftlich Interessierten sichtbar - zwei völlig unterschiedliche Unternehmenskulturen gegenüber: Hier die CASAG-Gruppe - mit einem dichten Netz an untereinander verschachtelten, großteils "eigentümerlosen", von Managerfunktionären geführtes Unternehmen -, dort der eigentümergeführte Konzern mit taffen, schnellhandelnden Managern auf dem internationalen Glücksspielparkett. In den letzten Jahren verdiente die Novomatic-Gruppe jährlich bis zu 500 Mio. Euro (www.novomatic.com), die Casinos Austria Gruppe reüssierte - trotz Monopol und Monopol-Lotto-Gesellschaft (www.casinos.at) nur mit Hilfe "außertourlicher“ Erträge, wie Firmenverkäufen etc.). Während der Gumpoldskirchner Konzern pro Jahr seine Mitarbeiterzahl deutlich erhöht - zwischenzeitlich sind es fast 17.000 weltweit - reduziert der andere, funktionärsgesteuerte Konzern radikal sein Personal.

Karten werden neu gemischt

Dr. Walter Rothensteiner
Dr. Walter Rothensteiner; Bild: K. Vyhnalek
In etwa drei bis fünf Monaten wird nun der letzte, große Gong in der österreichischen Glücksspielindustrie eingeleitet: ALLE Konzessionen werden NEU ausgeschrieben.

In der Praxis wird das etwa so aussehen (Spieler-Info.at berichtet aus sehr gut informierter Quelle): 15 neue Vollcasino-Konzessionen, welche jeweils PRO Bundesland - und NICHT pro Standort - ausgeschrieben oder „ausgelobt“ werden. Beispielsweise könnte Kärnten der Novomatic zugesprochen werden und diese kauft dann den Standort Velden eventuell der CASAG ab. Oder so könnte in Niederösterreich die CASAG wieder einen Standort erhalten, sperrt aber Baden zu und geht an die Stadtgrenze zu Wien oder nach Krems.

Die Pokerkonzession (übrigens eine Sensation, dass es eine solche überhaupt gibt) wird natürlich nur für EINEN Standort gelten. Eine "Filialbildung" ist bei den Konzessionen nicht vorgesehen - sonst würde es nicht 15 Casino-Konzessionen geben, sondern 15 mal 9.

Ändern wird sich auch die bemerkenswerte Verflechtung der Lotterien mit einer "VLT"-Konzession. Diese wird derzeit österreichweit von der "winwin" Glücks- und Unterhaltungsspiel BetriebsgesmbH, welche im Eigentum der Casinos Austria AG und der Österreichischen Lotterien steht, gehalten und berechtigt, österreichweit ohne BEBGRENZUNG Geldspielautomaten OHNE Einsatz-LIMIT aufzustellen. Diese "Sonderreglung" ist EU-mäßig nicht haltbar und untergräbt auch alle Bemühungen um eine EU-konforme Lizenzvergabe. Dies gilt auch für die derzeitige Online-Casino-Lizenz, welche die Österreichische Lotterien Gesellschaft m.b.H (www.win2day.at) hält. Aufgrund der EuGH-Entscheide wird es kaum mehr als eine, maximal zwei Online-Lizenzen geben können, zumal ein dann zu erwartender massiver Wettbewerb zu Lasten des Spielerschutzes ginge. Die EU-Bedingungen zwingen jedenfalls zu einer „transparenten und nachvollziehbaren“ Neuvergabe der Konzessionen.

Rien ne va plus für Glücksritter

Das österreichische Glücksspielgesetz ist nunmehr eines der strengsten und bestens regulierten der Welt. Ein Vorbild einerseits, eine "Abschreckung" für Glücksritter ohne LEUMUND und ohne nachweisbare, langfristig gewachsene Kapitalbildung. Die Zuteilungsbestimmungen sind nicht nur hinsichtlich der Auswahl der handelnden Bewerber und Personen, sondern auch der überwältigenden technischen Auflagen keine Einladung an Glücksritter. Und das ist gut so. Der Spielerschutz ist für die Glücksspielindustrie eine der wichtigsten Auflagen und auch deren Anliegen. Nur geregelte Märkte sind nachhaltig gute Märkte.

Das große Rennen um die neuen Glücksspiellizenzen beobachtet mit mildem Lächeln in seiner Weildinger Jugendstilvilla Prof. Gustaf Adolf Jakob Neumann. Hin und wieder besucht ihn ein alter, ebenfalls geläuterter Freund: Dr. Leo Wallner. Dieser ist jedoch noch immer im Geschehen fest verankert und - obwohl es in dieser Form so keiner wahrnehmen will - der mächtigste und einflussreichste, rein private Glücksspielunternehmer in der CASAG-Gruppe. Wallner ist Vorstand der MTB Privatstiftung, welche 16% hält. Gemeinsam mit "Freunden" könnte er ohne großes Aufsehen mehr als 50% der CASAG-Anteile unter seiner Führung vereinen. Wenn er WILL. Aber WISSEN tut das keiner. Dr. Leo Wallner ist auch als Senior-Unternehmer und Casino-Manager schwer durchschaubar.

Lesen Sie zu dem Thema auch Wirtschaftsblatt 31.1.2011

Lizenzen am Roulettetisch

Weiters im

Aufsichtsrat der Casinos Austria AG

Person Position
Prof. Johann F. Graf Gründete 1980 die Novomatic-Gruppe und ist deren prägender Mehrheitseigentümer. „Mann des Jahres 2009“ des Wirtschaftsmagazins TREND, self-made Milliardär.
Dr. Franz Wohlfahrt Vorstandsvorsitzender der Novomatic-Gruppe seit bald einem Jahrzehnt, Kunstförderer, Vizepräsident des Österreichischen Tennisverbandes, sprintet von Erfolg zu Erfolg, gemeinsam mit
Dipl.Ing. Ryszard Presch Vorstand der Novomatic-Gruppe, Novomatic-Urgestein seit 1980
Mag. Thomas Graf Vorstand seit Dezember 2010
Mag. Peter Stein Finanz-Vorstand
Senator Herbert Lugmayr Ehemals Gen.-Dir. Der GiroCredit, energiegeladener, in der Finanzwelt bestens vernetzter AR-Vorsitzender
Dr. Gernot Hain Stv. Aufsichtsratsvorsitzender
Mag. Karl Schlögl Aufsichtsrat
Dir. Erich Kirchberger Stv. Aufsichtsratsvorsitzender
Dr. Helmut Jell Aufsichtsrat
Dr. Bernd Oswald Aufsichtsrat

Wer über Österreichs größte Glücksspielkonzerne mehr wissen will, liest hier weiter:

Beteiligungen und Anteilseigner Casinos Austria AG

Anteilseigner der Lotto-Toto Holding GmbH

NOVOMATIC


*) Anmerkung: Prof. Gustaf Adolf Jakob Neumann ist zwischenzeitlich der älteste Verleger der Welt, welcher durchgehend – seit 1945 ohne Unterbrechung - sein Wochenblatt "Echo" herausgibt; auch heute noch (www.klosterneuburgerzeitung.at)!



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