von Prof. Mag. Dr. Gabriele Harecker, Wissenschaftlerin für Erziehungs- und Suchtverhalten
Der Spieltrieb des Menschen ist grundsätzlich ein natürliches Verhalten, denn vom (kindlichen) Spiel können Strategien und Konzepte erprobt und auf ihre Realitätstauglichkeit überprüft werden. Das spielerische Kräftemessen mit anderen liefert häufig Befriedigung. Spiele, die weniger von der Geschicklichkeit als vom Zufall abhängen, üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.
Bei der Spielsucht handelt es sich immer um eine sich verselbständigte Handlungsweise. Ein Suchtpotential kann im Mangel an Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Kreativität und Selbständigkeit gesehen werden.
Glücksspielsucht ist eine Krankheit und bestimmt das Alltagsleben süchtig spielender Menschen. Besonders groß ist die Illusion, das Spiel kontrollieren zu können. Sobald mit dem Glücksspiel begonnen wird, verlieren die krankhaften Spieler die Kontrolle über ihr Spielverhalten. Problematisches Spielen führt zu einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit und zur Flucht vor der Realität. Suchtverhalten kann aus psychodynamischer Sicht als Ablenkung vom eigentlichen Problem als Fixierung auf ein Feindbild beschrieben werden. Süchtiges Verhalten kann auch zu gewissen 'Grenzerfahrungen' führen, die eine gewisse psychische Bedeutung erlangen.
Laut diagnostischer Leitlinien des pathologischen Glücksspiels wird die Spielsucht als Impulskontrollstörung bezeichnet. Andere Autoren sehen die Spielsucht als Zwangsstörung bzw. in einem Spektrum zwischen Impulsivität und Zwangsstörung.

Wie aus o.g. Tabelle ersichtlich, erzeugt Spielsucht in seiner letzten Phase auch Hass gegenüber anderen. Veränderte Wahrnehmungsmuster liegen dem Feindbilddenken zu Grunde. Selektive menschliche Wahrnehmungen, Meinungen von Interessengruppen und an Normen ausgerichtete Denkweisen, wie Klischees, Stereotypen und Vorurteile würden somit aufgrund Fixierungen auf zentrale menschliche Symbole und moralisch negativen Zuschreibungen einen Nährboden für die Ausgrenzungen des Fremden, Anderen und schließlich auch des so konstruierten Gegners führen, was so weit geht dass: Unter Umständen sogar "dessen fantasierte oder gar reale Vernichtung" in Erwägung gezogen wird!
Weil selektive Wahrnehmungen mit scheinbar unverhältnismäßigen moralischen Wertungen verbunden sein können, die erheblich zur Stabilisierung des Bildes vom wahrgenommenen Feind beitragen, wird auch die Moral selbst problematisiert. Das Expertenwissen beruht auf Thesen von Cicero, Augustinus und Thomas von Aquin.
Erkenntnistheoretische Ansätze der Feindbildforschung führen dazu, dem sogenannten 'Halo-Effekt' (von engl. Halo - Heiligenschein) entgegen zu wirken. Denn dieser geistig - psychische Effekt bewirkt, dass " Bei der Beurteilung von Menschen die Einzelurteile nach dem Positivem oder dem Negativen hin vereinheitlicht" werden würde. Selektive Wahrnehmung wäre demnach mit Informationsverlust, Informationsverzerrung so wie mit der Einseitigkeit der Informationsauswahl verbunden.
Der Psychoanalytiker Arno Gruen kam zu der Erkenntnis, dass "Die Grundkrankheit der Menschheit" um jene Menschen kreisen würde, "die ihre Persönlichkeitsstrukturen nur durch Feindbilder aufrecht erhalten können." Das Besondere an dieser Formulierung ist, dass die Identitätsproblematik hier nicht nur an die eigene Person, sondern auch auf die persönlich als bedeutsam wahrgenommene 'Welt' bezogen wird. In Zeiten von gesellschaftlichen Umwälzungen und Krisen verstärke, so Gruen, die veränderte Wahrnehmung Welt und der Zusammenbruch der eigenen Identität "das Bedürfnis nach dem Feind, wobei sich der so denkende und empfindende Mensch mit Enthusiasmus einer Autorität beuge, die das Feindbild zulässt."
Sozialpsychologen bezeichnen diesen Vorgang auch als Sündenbockmechanismus.
Ein charakteristisches Kennzeichen von Wahrnehmungsmustern, die dem Denken in Feindbildern zugrunde liegt, ist zudem die mehr oder weniger strukturierte Ganzheit der negativen Vorstellungen, Einstellungen und Gefühle. Zwischen dem Denken und Fühlen existieren keine Widersprüche bzw. werden keine Widersprüche zugelassen. Auftauchende Widersprüche, Ambivalenzen und sogenannte Dissonanzen seien in der Fixierung auf selbst entlastende Ideologien und Mythen entweder nicht vorhanden oder werden ohne weitere Reflexionen zügig verdrängt.
In der Forschung hat sich auch die These herauskristallisiert, dass existierende Vorurteile bewusst gegen eine Fremdgruppe benutzt werden, um die von einer vermeintlichen oder realen Benachteiligung betroffenen Akteure (z.B. Individuen, Gruppen, Firmen,...) von der realen Ursache ihrer Benachteiligung abzulenken und deren Frustration und die daraus resultierenden Aggressionen gegen ein klar definiertes Ziel zu richten.
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