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Mr Green und das gefährliche Spiel mit erkrankten Menschen

Screenshot vom Netzauftritt des in Malta ansässigen Onlineglücksspielanbieters (Detail).

Mr Green ist bekannt für das Spiel mit den Gesetzen und mit der Finanz. Nun kommt noch ein besonders brisanter Fall hinzu: Ein psychisch möglicherweise schwer erkrankter Familienvater, der Haus und Hof verspielte und sehr wahrscheinlich geschäftsunfähig ist, fordert seine Einsätze zurück. Mr Green verweigert jedoch jegliche Rückzahlung.

Mr Green ist ein Online-Glücksspielanbieter mit Sitz in Malta. Auf der Internetseite mrgreen.at können Sportwetten gespielt werden. Ändert man aber die Endung „.at“ auf „.com“, wird man (auf Deutsch) mit Glücksspielen wie Automatenspielen, Roulette oder Blackjack konfrontiert, die in Österreich keine Zulassung haben. Mr Green behauptet auf seinem Internetauftritt, das Unternehmen erachte „eine faire und vergnügliche Unterhaltung auf höchstem Niveau [als] untrennbar verbunden mit der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung“. Da bekannte Wiener Beratungs- und Therapiestellen für Spielsüchtige ausführlich genannt werden, entsteht der Eindruck, man würde eng zusammenarbeiten.

Anton (Name der Redaktion bekannt), ein gebürtiger Österreicher, der seit Jahren in psychiatrischer Behandlung ist und der von April 2016 bis April 2017 eine knappe Million Euro bei Mr Green verspielen konnte, steht heute mit seiner Familie vor dem Ruin. Sieht man sich die Kontobewegungen von Anton an, so ist man sehr erstaunt über die Einzahlungen. Allein im Februar hatte er nach eigenen Angaben binnen elf Tagen insgesamt rund 220.000 Euro an Mr Green überwiesen und legt Kontoauszüge vor. Das Geld stammte großteils aus Krediten, die extra für das Spiel aufgenommen worden waren.

Beim Onlineglücksspielanbieter auf Malta sah man keine Veranlassung, die horrenden Überweisungen in Frage zu stellen. Seit Mai 2017 nimmt Anton bei einer Spielsuchtberatungsstelle kostenlose Psychotherapie in Anspruch. Ob er zum Zeitpunkt des aktiven Spiels geschäftsfähig war, ist sehr fraglich. Ein derartiges Spielverhalten hätte jedenfalls Grund zur Besorgnis geben müssen. Es folgte sogar ein Suizidversuch. Selbst das Wohnhaus, in dem er mit seiner Frau, seinem Kind und seiner Mutter lebt, ist nun mit rund 400.000 Euro belastet. Es ist unwahrscheinlich, dass Anton, Angestellter in der Tourismusbranche, sich jemals aus eigener Kraft aus diesen Verbindlichkeiten wird befreien können. Das alles, obwohl Mr Green 2012 von der eGaming Review zum „Socially Responsible Operator oft he Year“ gekürt worden war. Verwunderlich für Viele.

An einer gütlichen Lösung dieser schwierigen Situation ist Mr Green nicht interessiert. Anton wird daher gezwungen, den Gang vor die Gerichte anzutreten und ein psychiatrisches Gutachten über seinen Gesundheitszustand einzuholen. Bestätigt dieses Gutachten seine Geschäftsunfähigkeit in Bezug auf Glücksspiele, wird Mr Green das Geld zurückzahlen müssen… und vermutlich auch per Gerichtsurteil bestätigt bekommen, dass Mr Green in Österreich keine verbotenen Glücksspiele anbieten darf.

Obwohl Mr Green nach außen Verständnis für das Problem zeigt, wird ein offensichtlich geschäftsunfähiger Familienvater, der Haus und Hof verspielt hat, abgewimmelt. Text auf der Homepage: „Sowohl das Ausgeben von Erspartem, dem Einkommen oder Geld das für etwas Besonderes zurückgelegt wurde, ist ein Zeichen von Spielsucht und kann zu Schulden bei Familie, Freunden oder der Bank führen“.

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