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Leserbrief: „Der Schlurfi“ – einst und jetzt

Manchmal kommen einem die Schlagzeilen näher als gedacht. (C) Spieler-Info.at/LeserbriefWie fast jeder Mensch meiner Generation, also der Kreisky Ära, achte ich auf meine Allgemeinbildung. Mal eine Sprache lernen, denn man will ja als gelernter Wiener den Portier im Urlaub auch in seiner Muttersprache anmeckern können, hie und da ein Fachbuch oder berufliche Fortbildung und vor allem Zeitung lesen. Bildet ja allgemein sagt man. Und seien wir ehrlich: wie sehr können wir uns beim Zeitung lesen nicht emotional austoben? Jöö der Lugner kriegt wieder einmal den lustigen Augustin verliehen, da schau her die lassen sich scheiden, der Grasser hat a Verfahren! War eh scho Zeit! etc.


Doch manchmal kommen einem die Schlagzeilen näher als gedacht. Am ehesten wenn der Supermarkt 5 Gassen weiter überfallen wurde oder beim Stammwirten der Schimmel ausgebrochen ist. Aber manchmal liest man einen Namen oder  eine Örtlichkeit und man wird ganz tief in die Vergangenheit zurück katapultiert.

Ein Leser erinnert sich nicht nur an seine Vergangenheit

Ich sag Ihnen im Westen Wiens, im Wienerwaldgürtel, in den 80er Jahren aufzuwachsen war herrlich. Klar Hietzing, Währing, Döbling logisch, aber nichts ging über Sankt Hütteldorf!
Herrliches Grün, große Parks, gute Schulen und flache gesellschaftliche Hierarchien und ganz tief im Westen das Heiligtum Sankt Hanappi!
Wir, also unsere Partie, waren in dem nach dem Richter Matzner benannten Park zhaus.
Alle von uns respektierten einander, gingen in die anliegende Schule in der Märzstrasse, kurzum wir waren a Partie die alles teilte. Und selbst jemand wie zb der Christian, dessen Vater ein sogenannter Stossbaron war, der schon als zwölfjähriger mit Rolex und schwerer Goldkette herum lief und noch dazu wegen seinem Asthma ein schlechter Sportler war, wurde akzeptiert, weil auch er sich kameradschaftlich verhielt.

Im Jahre 83 glaub ich, kriegten wir dann einen neuen Schüler, der eigentlich nicht unserem Schulsprengel wohnte, wie es hieß, ergo einen „Strafversetzten“. Das war für uns nichts ungewöhnliches denn wir hatten den strengen „Wer bastelt mit Onkel“ des ORF, also einen mächtigen roten Schulpolitiker als Direktor.
Dieser Schüler wurde wie die anderen „Problemkinder“ in die 2. Leistungsstufe also den B-Zug gesteckt und schon noch einigen Tagen bekamen wir auf den Gängen mit, dass aus diesem B Zug ein neuer Wind wehte. Viele waren sich damals noch einig, dass ein neuer Superstar à la James Dean geboren war.

James Dean oder doch nur Problemkind?

Und wie aus einer James Dean Filmrolle benahm er sich auch. Er borgte sich Geld aus und zahlte es nicht zurück, sekkierte Schwächere um sich selbst zu überhöhen, wenn ihm etwas von der Jause der anderen schmeckte, griff er natürlich ohne zu fragen wie selbstverständlich herzhaft zu, kurzum er „hatte seine Klasse weitestgehend im Griff“.
Anders kams dann als er versuchte auch im Park den Superstar zu spielen. Hier stieß er natürlich auf Widerstand. Als er anfing zu erzählen er käme aus einer Eliteschule in Spanien und sei mit seinem dortigen Klassenkameraden, dem Prinzen von Spanien derart befreundet sodass beide noch heute jeden Tag miteinander telefonierten, ließ ihm der Scanci die Luft raus indem er ihn fragte, warum er denn dann nicht bei den Schulbrüdern oder im Schottengymnasium sei. Da war er bei unserer Partie natürlich als Gschichtldrucker entlarvt.

Als sich diese Geschichten häuften stellte ihn dann sein Klassenkamerad Rudi im Park zur Rede. Der Rudi war 2mal sitzen geblieben ergo schon 16 und vom Körperbau her 18! Doch das schreckte denn neuen Helden nicht und er fing sich ein paar Watschen vom Rudi.
Von da an erzählte er vom Lokal seines Vaters in Wien Mariahilf und dass dort das who is who der Wiener Unterwelt verkehren würde, weil sein Vater eben eine Respektperson sei und wenn sowas wie mit dem Rudi nochmal passieren würde, würden wir alle die Rache der Wiener Unterwelt spüren.

Von da an mischten sich der Christian und Roman ein. Der Christian schoss ihn sofort an und stellte ihn weidlich bloß indem er wahrheitsgemäß erzählte „du mein Vater hat a Haus auf Ibiza und was du da alles so erzählst ist glogen, sowohl übers Land als auch über den Felipe den Prinzen, denn jeder Spanien Resident weiß, der kriegt Hausunterricht wie seine Schwester.“ Sofort fing der Neue an den Christian zu beschimpfen und wegen seines Asthmas verächtlich zu machen.

Don Tomasino aus dem Unterwelt- und Drogen-Milieu

Der Roman war da schlauer er ging ihn nicht direkt an, der ging nach Hause zu seinem Vater und Bruder und erzählte ihnen von den Ausfällen des Möchtegern Schultyrannen. Einerseits war sein Vater damals Hofrat im Innenministerium und sein Bruder Polizist im Kommissariat Leyserstrasse. Die waren natürlich sofort alarmiert als sie die Gschichteln, vor allem die übern Vater des Helden hörten und erkundigten sich augenblicklich und siehe da, sein Vater hatte dieses Lokal wirklich und wurde von der Gruppe Spreitzer des Sicherheitsbüros wegen Verdachts auf Drogenhandel observiert. Als der Neue am nächsten Tag dann wieder den Park und unsere Clique mit Hollywoodstories und Rüpelgehabe durchegieren wollte, rieb es ihm der Roman ganz trocken unter die Nase: „Du mein Vater ist im Innenministerium und mein Bruder is da im Bezirk Polizist und der sagt, wennst uns ned aufhörst zum sekkieren verhaftet er dich und bringt dich aufs Jugendamt. Rumms das saß! Von da an war er im Park nur mehr sehr sehr selten zu sehen. Wir lachten uns kaputt wie schnell er einknickte und verpassten ihm einen neuen Spitznamen, der Don Tomasino war geboren.

Die 2 Dämpfer die er vom Rudi und Roman erhielt, hielten bis zur Schullandwoche. Dort kamen wieder die negativsten Züge des Don Tomasino zum Vorschein. Er erzählte immer utopischer anmutende Gschichten und wenn wer wie der Christian meinte, er solle scheißen gehen, wurde er wirklich kriminell. So passte er den Christian im Hotel mit 2 Vasallen die er sich mittlerweile Untertan gemacht hatte ab und forderte seine Rolex als Wiedergutmachung. Da platzte dem Christian und auch uns der Kragen. Doch wie der Christian so ist, wie wir ihn auch mittlerweile vor Gericht und im Fernsehen erlebt haben ist er nicht auf den Mund gefallen und hat ihm sofort kontra gegeben: „Jetzt sag i dir mal was! Mei Vater is der W.! Scho amoi ghört? Na? Na dann fahr ins 69er Haus zum Stoss und frag wer der is und sag glei du willst sein Sohn die Rolex wegnehmen und du wirst sehen mei Vater frisst deinen samt dir Kasperl mit Haut und Haar und jetzt schleich di von uns sonst hau ma di deppat!!!“. Das war eine Ansage voll in die Zentrale des Don Tomasino von der er sich den Rest der Woche nicht mehr erholte und schwer an seinem Image kratzte, denn jeder in der Schulstufe wusste, wenn der Christian der normal sowas nicht sagte und über seinen Vater nie sprach mal so die Schnauze voll hatte wurde es ernst.

Als wir wieder zurück in Wien und in der Schule waren, wurde der Don Tomasino nur mehr gehäkelt und nicht mehr gefürchtet. Und der Christian triebs echt auf die Spitze indem er ihn bei jeder Gelegenheit aufforderte doch her zu kommen und sich seine Rolex zu holen. Einmal stieg der Don Tomasino auf die Provokation ein und antwortete dem Christian „du mein Vater weiß ganz genau wer dein Vater ist und deshalb darf ich dir nichts tun, aber ich schwör dir eines Tages fällt mir was ein wie ich dich kriege.“ Wir alle lachten ihn aus und gaben ihm ganz halbstark Parkverbot.

Gezieltes Mobbing mit Methode

2 Monate später, die Situation hatte sich wieder normalisiert, der Don Tomasino hatte sich eingefügt, auch weil er Stress mit den Lehrern und Noten hatte, wir hatten ihn sowieso als Kasperl ausrangiert und komischerweise respektierte er, der wilde Nachwuchsdon, das Parkverbot.
Als wir an einem Montag im Mai dann zu dritt Richtung Klasse unterwegs waren, wurden wir von unserem Klassenvorstand Monika abgefangen und der Christian zur Rede gestellt wo er denn Samtags nachmittag gewesen sei? Er entgegnete „bei meiner Mutter im Wirtshaus Mathe Hausübungen nachschreiben und Mathe Nachhilfe mit dem Gast Hofrat K.“
Als wir auf unseren Stock kamen wurde der Christian sofort von mehreren Mitschülern angefeindet und beschimpft. Wir verstanden das alles nicht und Christian ging zum Klassenvorstand, die meinte besser wir gehen zum Direktor. Dort wurde der Christian sofort vom strengen Direktor abgekanzelt, die Polizei und seine Mutter angerufen. Als die dann da waren, war alles klar, jemand hatte mehrere Mitschüler angerufen, sich für den Christian ausgegeben und sie aufgefordert Montags Geld zu bezahlen sonst würde er sie verprügeln und zwar täglich bis sie zahlen würden.
Dem Christian seine Mutter wurde in der Sekunde zur Löwin und gab dem Polizisten die Nummer des Hofrat K. und gleich die vom Vize Stadthauptmann von Währing und seinen Kripokollegen, die ebenfalls an diesem Samstag Nachmittag anwesend waren, mit der Aufforderung die Geschichte sofort zu klären da sie sonst die Anzeige machen und sich an die Medien wenden würde. Der Polizist telefonierte 2mal und der Christian war vom Haken weil logo beweisbar unschuldig.

Der Täter musste die Schule verlassen

Doch wer war der Täter? Der Direktor befragte mit dem Polizisten die Opfer und danach sofort naturgemäß die Problemschüler und siehe da, die Deckung des Don Tomasino bröckelte sofort. Gerade sein treuerster Vasall verriet ihn sofort und erzählte, wie sehr der Don Tomasino gekränkt und wütend war, weil aus seiner Sicht der Christian und wir seine Freunde ihn zum Kasperl abstempelten. Der Vasall berichtete ausführlich wie der Don Tomasino 2 Monate lang trainierte, die Stimme des Christian nach zu machen und wie sie Samstag nachmittags die „Opfer“ durch telefonierten.

Klarerweise war dies der letzte Tag des Don Tomasino an unserer Schule und ich sah ihn nie wieder. Einige von uns sahen ihn dann angeblich immer wieder mit diversen Wiener Rotlichtgrößen, was andere von uns nicht glauben konnten, da sie hörten er wäre jetzt hochrangiger Manager in einem großen österreichischen, international tätigen Unternehmen aber nichts genaues wusste man nicht.

Und jetzt auf einmal lese ich in den letzten Wochen seinen Namen gleich in 3 Zeitungen.
Wieder einmal fordert er Geld, nur zum Unterschied von damals nicht nur für sich, sondern auch für andere. Hatte sich ein altbekannter Saulus zum modernen Paulus gewandelt? Sofort begann ich zu googeln und schnell stieß ich auch auf kritische Berichte über ihn, worin Methoden beschrieben werden, die mich dann wieder eher an den Don Tomasino erinnern, wie wir ihn aus unserer Jugend noch in Erinnerung haben.

Verstehen sie mich jetzt bitte nicht falsch, ich bin kein Insider sondern Durchschnittsleser in der Sache. Auch ist mir der Herr Graf und seine Firma wurscht. Er hat ein weltweit führendes Produkt entwickelt. Dafür gebührt ihm wie Didi Mateschitz oder Frank Stronach Respekt. Hat er die Welt damit verbessert? Sicher nicht! Auch trage ich dem Don Tomasino nichts nach, denn wir waren alle damals dumme Halbstarke.
Aber für mich als Leser wirds natürlich super spannend wie dieses „Match“ weitergehen wird. Ist die Novomatic doch das Böse unter der Sonne oder werden noch mehr „schmutzige Tricks“, so wie hier auf Spieler-Info und anderen Webseiten impliziert (sezssionen etc.), bekannt werden, also so wie damals als die Wahrheit bei unserem Direktor auf den Tisch kam?

Wie sagte schon der alte Zen Meister „wir werden sehen“.

fürst laudon

Name und Adresse der Redaktion bekannt

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